Ein ganz normaler Tag

8. Juli 2009

„…Also, der Auftrag lautet lediglich: Dahin fahren und bei zwei Rechner die Installation fertig zu stellen, richtig?“

„Genau so sieht‘s aus. Ich schätze mal das dauert so eine Stunde, halbe Stunde Arbeit, und je eine viertel Stunde Vor- und Nachbearbeitung.“

„Naja, ein bisschen Bauchgrummeln habe ich dabei. Aber probieren kann man es ja, geht schließlich um einen neuen Kunden. Und wenn das nichts ist, dann lassen wir das…“

Und so fing das kleine Abenteuer an. Da wir ja momentan in Zeiten der Wirtschaftskrise leben ist jeder Auftrag willkommen. Vor allem da es sich um einen neuen Kunden handelt. Eigentlich fast sogar zwei, denn dies ist eine Unterbeauftragung. Eine große Hotelkette in Deutschland hat eine spanische Software zur Verwaltung eingekauft. Diese wird dabei komplett vom Hersteller dieser betreut, inklusive Infrastruktur, inklusive Hardware in den Hotels. Da das Unternehmen jedoch nicht an allen Hotelstandorten auch Mitarbeiter beschäftigen kann, haben sie einen Serviceprovider beauftragt Leistungen regionaler Firmen einzukaufen, die sich dann um die Umsetzung kümmern. Dem Serviceprovider steht es dabei frei wen sie damit beauftragen. Und so kamen wir zum Zug nachdem wir ein Angebot erhalten hatten.

Vor Ort ein freundlicher Empfang, wie eigentlich nicht anders zu erwarten. Der lokale Techniker, der sich um die sonstige EDV-Infrastruktur zu kümmern schien, wies uns auch gleich rudimentär ein. Problem bei den zwei PCs, die zu bearbeiten waren, bestand darin, dass aus Spanien – also vom Hersteller der Software – kein Datenaustausch und Remotezugriff auf die Geräte möglich war. So ging man vielleicht von einer fehlerhaften Installation aus.

Was uns aber verschwiegen wurde: Selbst wenn die PCs korrekt funktionieren würden, und das taten sie nicht, wäre eine Verbindung über das Internet unmöglich gewesen. Das Problem war schnell gefunden: Es gab kein Internet für die PCs. Die Systeme verfügten über einen eigenen Anschluss, der in der vorherigen Woche gelegt wurde. Warum es nicht ginge wollte ich also wissen.

Der lokale Techniker war auch sehr auskunftsfreudig und fing auch ganz vorne an: Er selbst hat ja von dem ganzen Kram keine Ahnung. Eigentlich gibt es einen angestellten Techniker, der sich um alles kümmert jedoch mehrere Standorte betreut und darum nicht da ist. Aber wenn man ihm sagt, was man wo hinstecken muss, dann macht er das. Sonst sieht‘s um sein wissen eher mau aus. Gibt er ja auch ganz offen zu.

Die Hard- und Software des spanischen Anbieters wurde bisher immer von einem Techniker betreut, der dies aber nicht mehr tut. Seitdem haben die ausführenden EDV-Meister gewechselt. Zuerst jemand aus der Umgebung, der jedoch nur ein einziges Mal kam und auch nichts anderes gemacht hat als die Ausstattung zu inventarisieren. Die defekten PCs wären ihm herzlich egal gewesen. Genauso wie die ausgemusterten Systeme, die heute noch vor sich hin stauben. Danach kam ein neuer Techniker um den neuen Internetzugang zu legen. Oder eben auch nicht. Es war ein Rentner, der sich verselbstständigt hat und nun in EDV macht. Allerdings scheiterte er bereits an der Installation des Routers. Wie mir der lokale Techniker berichtete auch ein Zeitproblem: Der Beste musste mit seinem Enkel angeln gehen, da muss der Job schon einmal warten. Auch er ward nie wieder gesehen. Sicher angelt er noch heute.

Und nun also wir. Der Fehler im Router war schnell gefunden. Obwohl alles korrekt verkabelt war gab es da ein paar Probleme: Die alten T-Online-Zugangsdaten mit einem vodafone-Router zu nutzen kann nur scheitern, die resultierenden Fehlermeldungen – die übrigens genau auf diesen Zustand hinwiesen – wurden wohl in der Zeitnot ignoriert. Halb so schlimm! Denn selbst wenn der Zugang funktioniert hätte, die Rechner befanden sich in einem ganz anderen Subnetz. Und, wäre auch noch das Subnetz richtig gewesen, ja dann, dann wäre fehlendes Portforwarding die nächste Hürde gewesen. Also besser gleich am Anfang den Fehler lassen, dann merkt man von den anderen ja nichts.

Doch das war alles noch Warmup. Nach der Beseitigung dieser im Arbeitsauftrag nicht erwähnten Widrigkeiten waren die PCs dran. Die spanisch-englische Bedienungsanleitung für die spanische Software hatte mit der Realität nicht viel gemein. So war die Fehlerbeseitigung unmöglich. Da wir zu zweit vor Ort waren jedoch kein Problem: Mein Kollege probiert alles Menschenmögliche die Software zur Mitarbeit zu zwingen, während ich versuchte den technischen Support zu erreichen. Um es kurz zu machen: Es hat zwei Stunden und mein Handyakku gedauert jemand zu erreichen, aus anfänglichen drei Telefonnummern (eine deutsche und eine spanische Niederlassung des Softwareanbieters, sowie die Kontaktnummer des Serviceproviders) wurden am Ende sieben Nummern, die ich der Reihe nach abtelefonierte. Entweder ging niemand ran, es war besetzt oder zweimal sogar eine Endloswarteschleife. Doch die achte Nummer verhieß Erfolg und brachte mich dann zu der Person, die unter der ersten Nummer nicht zu erreichen war – obwohl es wenige Tage vorher kein Problem war.

Innerhalb von anderthalb Stunden wurde mittels VNC und gebrochenem Spanisch-Englisch die Installation auf beiden Rechnern fertig gestellt. Mit der Arbeitsanweisung hatte das aber rein gar nichts mehr zu tun, anstatt eine Anwendung einfach nur zu starten bedarf es mehrere Updates von privaten FTP-Servern und wildem Konfigurationsdatei-Fleddern um alles zum laufen zu bekommen.

Nach getaner Arbeit fehlte nur noch eine Unterschrift auf dem Arbeitsauftrag. Also schnell an die Rezeption und höflich danach fragen. Dies holt den Techniker der da sagt: Ich unterschreibe nichts. Ebenso die Rezeption. Und die Geschäftsleitung. Also ein weiteres Telefonat, inzwischen war ich mit dem Ansprechpartner des Serviceproviders ja schon per Du, und auch das Problem konnte ich noch klären.

Da das Hotel die Arbeiten nicht (!) beauftragt hat gab es auch keine Unterschrift. Was das über die Qualität der Software, die schon ein halbes Jahr nicht mehr funktionsfähig war, zu heißen hat, das überlasse ich gerne dem geneigten Leser zu entscheiden.

“Friends and collegues,

a few minutes ago a press conference in Stockholm began, where we disclose for the Swedish press and bloggosphere that we will join the green group in European parliament, that is to say Greens/EFA. This is the group that the Swedish Environmental Pary is a part of, but without as clear a right/left-profile as the Swedish Environmental Party. We have received interesting offers from four groups, such as the liberal group ALDE and leftist group GUE/NGL amongst others, but the deciding factor was that the green group has come the farthest in its work with information policy perspectives.

As such, we judge that we have the strongest possibility to reach results for our policies through the green group, and Christian Engström will take his seat there when parliament opens on June 14.

With this newsletter I want to tell this to all our members before the press reports on it.

We did this together, friends. We have written history.

Translation: Nicholas
Source: rickfalkvinge.se

Greens/EFA group welcome Swedish Pirate Party member

Das Internet lebt davon eine offene Plattform zu sein. Aus diesem Grund stelle ich fast alle meine Veröffentlichungen unter eine Creative Commons Lizenz – so auch die Artikel hier im Blog. Solange nicht anders notiert können diese unter Namensnennung weitervöffentlicht und bearbeitet werden, sofern sie wieder unter der gleichen oder einer gleichwertigen Lizenz veröffentlicht werden. Eine kommerzielle Nutzung ist ausdrücklich davon ausgeschlossen. Soll ein Artikel oder Auszüge daraus kommerziell verwertet werden, ist dies durchaus möglich nach schriftlicher Genehmigung. Diese Regelungen gelten ausschließlich für von mir selbst erstellte Inhalte, Rechte an Inhalten Dritter werden hiervon nicht berührt.

Lizenzierung der Blogartikel:

Namensnennung-NichtKommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen (by-nc-sa)

Kurzfassung: Die Familienministerin Ursula von der Leyen ("Zensursula") plant technische Internetsperren, um die Anzeige von kinderpornographischen Material durch Internetnutzer zu verhindern. Haken an der Sache: Es dauert 20s diese zu umgehen. Großer Haken an der Sache: Solche Techniken wurden auch schon in anderen Ländern eingeführt und haben folgende Effekte: Eine Eindämmung von KiPo-Material wird nicht erreicht und schlimmer noch: Die geheimen Zensurlisten werden genutzt um nicht-kinderpornographisches Material zu sperren, so zum Beispiel (illegale) Musikdownloads, kritische Journalistenblogs und ähnliches. Diese Netzsperren sind also der Einstieg in die INTERNETZENSUR! Und ein Eingriff in die Meinungs-, Informations- und Kommunikationsfreiheit.

Meine Bitte: Unterzeichnet online die Petition gegen die geplanten Netzsperren, das geht online und dauert keine fünf Minuten.

Zum aktuellen Zeitpunkt sind bereits ca. 25000 Mitzeichner eingetragen. Die Mitzeichnung ist bei der Online-Petition möglich. Macht es gleich, in wenigen Tagen wird die Zeit zum Mitzeichnen bereits abgelaufen sein.

Bedenkt: Die geplanten Gesetzesänderungen werden die Art auf die wir Kommunizieren grundlegend ändern und einschränken und dafür sorgen, dass jeder Internetnutzer unter einem Generalverdacht steht. Klickt ihr einen falschen Link, kann einige Tage später bereits die Polizei eure Wohnung durchsuchen. Angstmacherei? Dystopie? Mitnichten, das ist bereits hier in Deutschland passiert, einem Blog, der auf eine der an die Öffentlichkeit gekommenen Zensurlisten aus Australien verlinkt hat passiert!

Wer das noch etwas ausführlicher will, dem zitiere ich folgenden Artikel von heise.de:

Ende April wurde der Gesetzentwurf zum Sperren von Kinderpornografie-Webseiten im Bundeskabinett beschlossen, am Mittwoch dieser Woche soll er bereits im Bundestag behandelt werden. Im Vorfeld äußerte sich nun die Opposition sehr kritisch zu dem Vorhaben, das von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen vorangetrieben wurde.

"Das ganze Vorhaben ist an Populismus kaum zu überbieten", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, gegenüber der Berliner Zeitung. Er kritisierte den Gesetzentwurf zu Websperren als "unverhältnismäßigen Eingriff in die Informationsfreiheit". Die Bundesregierung wolle vor den Wahlen suggerieren, sie gehe wirkungsvoll gegen Kinderpornografie vor. Das Gegenteil sei aber der Fall: "Statt gegen die Anbieter kinderpornografischer Inhalte strafrechtlich effektiv vorzugehen und die Inhalte ganz aus dem Netz zu entfernen, greift die Bundesregierung wider besseres Wissen zu einer Maßnahme, die wirkungslos ist", betonte Beck und forderte gleichzeitig stärkere Anstrengungen bei der internationalen Strafverfolgung von Kinderpornografie.

Beck warnte ähnlich wie zuvor schon Brigitte Zypries, als Bundesjustizministerin Kabinettskollegin der Familienministerin, vor Begehrlichkeiten nach ausgedehnteren Websperren: "Keiner weiß, welche Seiten das BKA künftig noch auf seine Liste setzt", meinte Beck. Schon jetzt werde über die Sperrung von Musik-Tauschbörsen, Internetlotterien und Gewaltvideos diskutiert. Die Grünen hatten bereits zuvor das mit den Webseiten-Sperren verbundene Überwachungsvorhaben der Regierung kritisiert. Es sei im Sinne des Datenschutzes nicht hinnehmbar, dass Informationen über IP-Adressen und versuchte Webseiten-Zugriffe, die über die bei gesperrten Seiten eingeblendete Stopp-Seite generiert werden, zu Ermittlungszwecken an das BKA weitergeleitet würden.

Die FDP-Innenpolitikerin Gisela Piltz äußerte zudem Bedenken, ob der Bund ein Gesetz zum Sperren von Web-Seiten in der vorgesehenen Form überhaupt beschließen dürfe: "Es ist fraglich, ob der Bund ein Gesetz verfassungsgemäß erlassen kann, welches die Sperrung von Internet-Seiten nach inhaltlichen Kriterien zum Gegenstand hat", meinte Piltz und verwies dabei darauf, dass das BKA durch das Gesetz neue Befugnisse zur Gefahrenabwehr erhalten soll, indem es Daten nicht nur sammele und auswerte, sondern auch den Polizeibehörden zur Verfügung stelle. Die Gefahrenabwehr liege aber in der Kompetenz der Länder, nicht des Bundes. Der Bund sei lediglich zur Abwehr terroristischer Gefahren befugt, so wolle es das Grundgesetz, betonte Piltz. Zudem liege die Regelung von Medieninhalten alleine in der Gesetzgebungskompetenz der Länder.

Die FDP-Politikerin hatte zuvor schon ebenso wie Datenschützer kritisiert, dass das BKA die Sperrlisten zusammenstellen solle und damit zu einer Art "Zensurbehörde" werde. "Die Bundesregierung geht selbst davon aus, dass legale Angebote betroffen sein können", hatte Piltz gewarnt. Die FDP fürchtet, dass durch ein Gesetz mit der Einführung von Sperrlisten die "Zensur des Internets durch die Hintertür" ermöglicht werde; zumindest aber bestehe die Gefahr eines Missbrauchs der Sperrlisten.

Mittlerweile gibt es auch eine Online-Petition, mit der sich interessierte Bürger gegen das Gesetzgebungsvorhaben zu Websperren aussprechen können.

Wer mehr dazu wissen will darf sich gerne blog.fefe.de und netzpolitik.org durchschauen.

Dieser Gastbeitrag stammt von Jens Scholz , der ausdrücklich zum Kopieren und Verbreiten aufgefordert hat. Ich komme dem sehr gerne hiermit nach. Dieser Beitrag steht übrigens auch unter einer Creative-Commons-Lizenz (Namensnennung, nichtkommerziell ), also greift gern zu Schere, Kleber und Trackback, wenn euch ein Text hier gefällt.

Weitere lesenswerte Beiträge zu dieser Debatte gibt es unter anderem von Marcel Weiss bei Netzwertig.com , von Stefan Graunke bei UnPolitik.de , von Felix Schwenzel bei wirres.net , sowie noch mehr im Wiki des Arbeitskreis gegen Internetsperren und Zensur (AK Zensur) . Die aktuellen Überwachungsausweitungen in diesem Zusammenhang habt ihr sicher auch schon mitbekommen. Am 6. Mai soll der Gesetzentwurf im Bundestag behandelt werden. Sprecht doch vorher mal eure Wahlkreisabgeordneten darauf an, dass sie auch eure Stimmen brauchen werden im Herbst. Anrufen oder Besuchen ist übrigens viel wirksamer als Mailen.

Da reiben sich gerade so viele die Hände, daß man eigendlich ein beständiges Rauschen hören müsste. Die Idee, das Thema Kinderpornografie als Popanz vorzuschicken, um das nun geplante Internet-Zensursystem einzuführen war aber auch wirklich eine richtig gute. Hat das ja zuvor mit den Themen Terrorismus und Internet-Kriminalität nicht wirklich hingehauen, kann man hier spitzenmäßig mit dem Holzhammer wedeln und Kritiker einfachst diffamieren, indem man die eigentliche Kritik ignoriert und ihnen vorwirft, sie wollten die Verbreitung von Kinderpornografie schützen. Wie schnell schon der Vorwurf zum beruflichen und gesellschaftlichen Tod führen kann, zeigte man nur wenige Wochen zuvor ja schonmal anschaulich am Exempel Tauss (der übrigens natürlich nicht im Netz "erwischt" wurde, sondern über Handykontakte und DVDs per Post).

Aber ich schweife schon wieder – wie es durch die Wahl dieses Themas ja auch gewünscht ist – ab.

Denn das Problem, das die Kritiker haben, ist ja natürlich nicht, daß man den Zugang zu Kinderpornografie sperren will, sondern das Sperrinstrumentarium, das man dazu baut. Schaut man sich das an, merkt man schnell: Es geht nicht um Kinderpornos und wie man dagegen vorgeht. Ging es nie.

Es geht um die Installation eines generellen technischen Systems und die generelle Art und Weise, wie es betrieben wird: Es geht darum, daß eine waschechte, diesen Namen zu Recht tragende, Zensur ermöglicht wird. Auch wenn die zunächst gesperrten Websites tatsächlich nur Kinderpornografie beinhalten (was die Liste eigentlich extrem kurz halten müsste) wäre sowohl die Technik, die Verwaltung und sogar die Psychologie installiert, um sofort eine effektive Zensur betreiben zu können.

Technik

Die Provider sollen ihre Nameserver so umbauen, daß Webseiten, die das BKA aussucht und ihnen nennt, nicht erreichbar sind und dem Nutzer bei Aufruf stattdessen eine Sperrseite angezeigt wird. Gleichzeitig soll das BKA jederzeit abrufen könne, welche Nutzer auf Webseiten aus dieser Liste zugreifen wollten und stattdessen auf die Sperrseite geleitet wurden.

Ein normaler Internetnutzer, der seinen Nameserver nicht auf einen freien DNS-Server umstellt, sieht bestimmte Seiten nicht und erhält die Mitteilung, er wolle sich gerade Kinderpornografie ansehen. Ob das stimmt, weiß er nicht und nachprüfen darf er das auch nicht, da ja schon die Suche nach Kinderpornografie strafbar ist. Der Nutzer muss sich in diesem Moment weiterhin im Klaren sein, daß er gerade etwas getan hat, was das BKA als illegal ansieht und als Grund ansehen kann, gegen ihn vorzugehen.

Die allein schon technisch verursachten Risiken für jeden Internetnutzer sind immens, noch dazu, weil man damit auch noch eine perfide Beweisumkehr eingebaut hat: Sie müssen künftig ihre Unschuld beweisen, z.B. daß sie "versehentlich" die gesperrte Seite angesteuert haben. Viel Spaß beim Versuch, Richtern TinyUrls, iFrames, Rootkitangriffe, Hidden Scripting und so weiter zu erklären, wenn Sie überhaupt wissen, was das ist.

Die Lösung zunächst: Den Nameserver umstellen , um sich dieser Gefahr vollständig zu entziehen. Geht schnell und kann jeder.

Die Technik ist allerdings interessanterweise das kleinste Problem in dieser ganzen Geschichte. Es gibt Staaten, die in ihren Zensurbemühungen schon wesentlich weiter sind. Die Menschen dort können dennoch sowohl anonym als auch unzensiert das Internet benutzen. Das Internet ist von Nerds gebaut worden. Ein Staat kan da so viel fordern wie er will, er wird das Netz auf technischer Ebene never ever kontrollieren können.

Verwaltung

Hier liegen die springende Punkte, die das Ganze zum Zensurinstrument machen:

1. Die gesperrten Inhalte stehen auf einer Liste, die das BKA direkt und ohne Prüfungsinstanz erstellt und die die Provider möglichst ohne sie anzuschauen zu installieren haben. Es entscheidet kein Richter über den Inhalt, es überprüft keine unabhängige Institution über die Rechtmäßigkeit, es gibt keine Regelung, wie Adressen überhaupt wieder von der Liste gelöscht werden könnten. Die Polizei, die Verbrecher verfolgt, bestimmt, welcher Wunsch nach welcher Information ein Verbrechen ist. Vorab zu definieren, was ein Verbrechen ist und hinterher darüber zu entscheiden, ob ein Verbrechen begangen wurde ist aber nicht Aufgabe der Polizei.

2. Die Liste ist geheim. So lange diese Liste nicht in die Öffentlichkeit gerät kann alles drinstehen und nichts davon muss gerechtfertigt werden. Wer das in Frage stellt wird zum Verdächtigen. Wie Zensur in Reinform eben funktioniert.

3. Der Gesetzentwurf ist schwammig genug, daß das BKA im Prinzip alles in die Liste setzen kann. Da im Web jeder Inhalt nur einen Klick weiter vom letzten entfernt ist und das Gesetz möchte, daß auch "mittelbare" Seiten gesperrt werden können, kann somit de facto auch jede Seite gesperrt werden.

4. Das System soll die direkte Verfolgung von Zugriffen erlauben. es wird nicht nur gesperrt, sondern es kann auch nachgeschaut werden, wer sich die gesperrten Seiten ansehen will. Dies kann dann Anlass für verdeckte Überwachungen, Hausdurchsuchungen und andere existenzbedrohende Vorgänge sein.

Die Staatsanwälte dieses Landes üben ja seit einiger Zeit kräftig an der Vorverurteilungsfront, indem Sie inzwischen gerne mal Pressemitteilungen über eingeleitete Verfahren rausgeben und die Presse direkt zu möglichst spektakulär und öffentlichkeitswirksam inszenierten Verhaftungen mitnehmen (Zumwinkel, Tauss, Frau B. ).

Psychologie

Womit wir schon beim gewünschten Effekt von Zensur sind: Die Einführung der Schere im Kopf. Die wirksame Selbstzensur , weil man nicht weiß, was eventuell passiert, wenn man zu laut und deutlich Kritik äußert. Die Geheimhaltung der Sperrliste und ihre völlige Unverbindlichkeit durch das Fehlen jeglicher Kontolle ist ein bewußt eingesetzes Instrument, um Verunsicherung zu erzeugen.

Ein anderes ist die Verknüpfung mit dem Thema Kinderpornografie, womit wir wieder am Beginn dieses Artikels wären. Man weiß ja inzwischen, daß auch nur der leiseste Ruch, man könnte eventuell irgendwas mit Kindesmissbrauch und Pädophilen zu tun haben, die Existenz vernichten kann, selbst wenn hinterher rauskommt, daß tatsächlich nichts an den Vorwürfen dran war. Wie nahezu generell nichts rauskommt . Das ist ein so extrem starkes und wirksames Druckmittel, was natürlich beispielsweise ein Herr Gorny sofort erkennt, weil sein Versuch, diese Schere im Kopf einzuführen (durch den Versuch, Filesharing als schreckliches Verbrechen zu diskriminieren), wirkungslos blieb und er sich nun an den besser funktionierenden Trigger dranhängt (indem er Urheberrechtsverletzung mit Kindesmissbrauch gleichsetzt).

Die Justizministerin gibt dann noch Tipps in die richtigen Richtungen, die natürlich prompt reagieren . Überhaupt, das mal ganz nebenbei, finde ich es immer wieder seltsam, daß Frau Zypries immer wieder als Warnerin vermittelt wird. Dabei war – so sagt sie zumindest – sie es, die den Gesetzentwurf gegenüber dem Vorabvertrag von Frau von der Leyen verschärfen ließ und dieser nun schon den Zugriff auf Stopp-Seiten verfolgen lassen will.

Um die Frage zu beantworten, warum und wann es in einer Gesellschaft überhaupt dazu kommen kann, daß ein Teil davon meint, einen solchen Eingriff vornehmen zu müssen und der andere Teil (zu dem ich u.a. mich zähle) darin ein so massives Unrecht sieht, das es zu bekämpfen gilt, kann man sich bitte den Artikel "Kampf der Kulturen " drüben bei netzpolitik.org durchlesen.

– Kopiert von netzpolitik.org

Jetzt auch gezwitschert

27. Februar 2009

Ab gestern online: http://twitter.com/mbiebusch

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Viel Spaß beim folgen!

“And I believe the nation that invented the automobile cannot walk away from it.” Barack Obama

Quelle: http://www.freep.com/article/20090224/NEWS15/90224099
via  http://twitter.com/sixtus