Apple hat etwas geschafft, das die Microsoft-Partner jahrelang nicht hinbekommen haben: Den Formfaktor des Tablets (oder Slates) massentauglich zu machen. Doch woran liegt das oder anders gefragt: Warum werden die Me-Too-Produkte wie der ExoPC, das WeTab oder das Joojoo nicht den Erfolg haben, den sich ihre Entwickler versprechen?

Die Hardware

Wo liegt der große Unterschied zwischen dem was bisher mit Windows ausgeliefert wurde und dem, was Apple erdacht hat? Die Hardware-Basis ist eine andere. Während man bisher meist versucht hat einen PC in die Form eines Tablets zu bringen ging Apple einen anderen Weg und wählte eine von Haus aus komplett auf Mobilität ausgerichtet Plattform und baute aus dem iPhone ein Tablet. Die Vorteile liegen auf der Hand:

Die Laufleistung

Niemand, wirklich niemand, braucht einen Tablet-Computer, wenn dieser nur drei Stunden ohne Netzteil betrieben werden kann. Ein solches System will herum getragen und überall abgelegt werden und soll nicht ständig mit dem Stromnetz verbunden sein. Hier findet sich auch schon die größte Schwäche der bald erscheinenden Slates: Meist wird die Atom-Plattform genutzt, die für Netbook durchaus passend, für flache Tablets aber ungeeignet ist da sie zu viel Platz braucht. Gleiches gilt für den Stromverbrauch, hier reichen dünne Tablet-Akkus einfach nicht aus um eine lange Laufzeit zu gewährleisten. Die Folge: Das WeTab soll sechs Stunden schaffen, mit dem joojoo sind laut Herstellerangaben immerhin noch bis zu fünf Stunden Dauerbetrieb drin. Allerdings darf bezweifelt werden, dass diese Werte bei normaler Alltagsnutzung zu erreichen sind: So kam Engadget bei ihrem Test des joojoo unter moderater Nutzung auf 2,5 Stunden Laufzeit – das von der Software noch stärker aufgeblähte WeTab wird wohl kaum besser sein.

Auch nicht zu vergessen: Mehr Hardware bedeutet mehr Gewicht, welches die Ergonomie stark beeinträchtigt. Was bei einem Netbook egal ist, da es sowieso auf den Beinen ruht oder auf einem Tisch steht, wird bei dem Halten mit einer Hand zur Qual. Selbst das iPad ist hier stark an der Grenze des Nutzbaren, die Geräte des Wettbewerbs sind durchgehend noch schwerer.

Wesentlich intelligenter ist da die Nutzung der ARM-Architektur. Diese ist für kleine, leichte und mobile Geräte ausgelegt und dabei wesentlich energieeffizienter als die Atom-Plattform. Die Folge: Man kann leichtere und flachere Geräte bauen die trotzdem eine lange Laufzeit haben. Das iPad legt dabei vor: 10 Stunden Dauerbetrieb unter Last sind kein Problem. Problematisch hierbei: Windows läuft darauf nicht, Standard-Desktopdistributionen lassen sich damit nicht ganz unproblematisch nutzen. Warum das eigentlich sogar von Vorteil ist erläutere ich später.

Die Displays

Für einen der größten Fehler bei der Vorstellung des iPad hielt ich das 4:3-Display. Gerade wenn man Filme damit gucken möchte stören entweder die Ränder, alternativ man zoomt das Video groß, so dass die Seiten davon fehlen. Allerdings ist das Gucken von Videos nicht die einzige Aufgabe, die ein Tablet zu bewerkstelligen hat: Sie werden allerorten als E-Book-Reader vermarktet.

Und hier fiel mir bei der Nutzung des iPads etwas auf. Es lässt sich wesentlich angenehmer lesen, wenn man das Gerät hochkant hält, ähnlich wie ein Magazin oder ein Buch. Und hier ist die Krux der 16:9-Displays, es geht mit ihnen wesentlich schlechter, weil das Bild einfach viel zu lang wird. Besonders unhandlich wird es bei dem 12“-Display des joojoos. Es ist somit auch kein Wunder, dass das WeTab oder joojoo bei Vorführungen meist horizontal gehalten wird – mit der Nutzung unter Alltagsbedingungen hat das allerdings wenig zu tun. Sobald etwas zu lesen ist hält man das Tablet wieder hochkant – hier wird man sich mit den 16:9-Geräten an eine unnatürliche Haltung gewöhnen müssen.

Die Software

Der Versuch Windows in ein Nur-Display-Gerät zu zwingen ist bis heute nicht wirklich erfolgreich verlaufen. Vielleicht auch deswegen, weil zur Bedienung immer ein Stift benutzt werden muss. Egal was man machen will, der Stift wird als Ersatz für den Cursor. Die Schrifteingabe ist dabei nicht der Hauptgrund, sondern vielmehr die Tatsache, dass Windows komplett auf die Bedienung mit einer Maus (und Tastatur) ausgelegt ist. Folglich sind die Schaltflächen auch nur gerade so groß, dass man sie mit diesem feinen Instrument treffen kann.

Dieses rächt sich jedoch bei den Tablets – sie sind wie moderne Smartphones dafür gemacht mit dem Finger bedient zu werden, welcher jedoch nicht annähernd präzise genug dafür ist. Will man ein Tablet also richtig bauen muss zwingend eine Oberfläche geschaffen werden, die mit Fingereingaben funktioniert – die Windows GUI scheidet dafür komplett aus, selbst die Touch-Integration von Windows 7 ist hier zwar ein Schritt in die richtige Richtung, jedoch ein sehr kleiner. Die Folge sind Systemaufsätze wie HP diese bei seinen TouchSmart-PCs einsetzt. Joojoo und Neofonie machen dies ebenso.

Auch hier ist Apple wieder im Vorteil, da man von Anfang an ein Betriebssystem einsetzen kann, welches komplett auf Fingereingabe auslegt ist.

Wie gut die Betriebssysteme, bzw. deren Aufsätze, am Ende mit der Fingerbedienung umgehen werden können muss sich in der Praxis noch zeigen. Aber insbesondere Dinge wie Copy & Paste werden den Entwicklern garantiert einiges an Kopfschmerzen bereiten, da die zweite Maustaste fehlt. Oder Dinge wie ein Benachrichtigungs-System, bei dem sich sogar Apple schwer tut. Dass dies keine kleinen Probleme sind beweist Joojoo: Die Bedienbarkeit hier ist heute schon kein Ruhmesblatt (siehe Engadget-Test).

Offen ist nicht gleich offen

Einer der größten Vorteile, den Neofonie für sich verbuchen möchte: Auf ihrem Tablet läuft praktisch jede Linux-Software. Wäre da nicht der schon vorher erwähnte Haken mit der Bedienung: Alles was an Software für Desktop-Linuxderivate zur Verfügung steht ist auf Mauseingaben auslegt, gleiches gilt für die angepriesene Adobe Air-Plattform. Viel Spaß beim Versuch die Schaltflächen von OpenOffice mit dem Finger zu treffen. Oder gar einen Rechtsklick durchzuführen. Auch der Vorteil, dass Android-Anwendungen damit laufen wird sich wohl als Papiertiger erweisen. Nur weil es sich um ein Android-System handelt, heißt es noch lange nicht, dass Google diesen Android-Ripp-offs auch Zugriff auf den Marketplace gewährt. Solche Systeme werden größtenteils ausgesperrt, Neofonie sollte dies wissen. Und selbst wenn der Zugriff funktioniert, müssen die Apps erst für die neue Auflösung umgeschrieben werden. Mit einem (großen) Angebot ist also so der so nicht zu rechnen.

Der einzige Ausweg sind somit Webanwendungen und native Apps. Da letztere mindestens zum Marktstart Mangelware sein werden verkommt das WeTab nur zu einem zweiten Surfgerät wie das joojoo. Und wie schwer man sich tun kann neue Entwickler zu gewinnen beweist momentan Palm immer noch eindrucksvoll, dessen (deutscher) App Catalog weiterhin nur langsam wächst, und das obwohl eine sehr starke Entwicklergemeinde hinter der Plattform steht.

Eine Frage, die man sich bei Neofonie bisher auch noch nicht gestellt hat: Braucht man in einem Tablet überhaupt all diese Funktionen? Und wenn ja, wie integriert man diese sinnvoll? Ich sehe das nicht.

Was bleibt also?

Insgesamt gesehen begeht Neofonie mit dem WeTab die gleichen Fehler, die man mit dem Windows-Slates schon jahrelang macht: Man zwängt einen PC in einen Formfaktor, für den er nicht ausgelegt ist. Joojoo hat hier die besseren Ansätze von Konzepten, es scheitert jedoch noch stark an der Umsetzung und dem zu engem Einsatzgebiet. Dass das WeTab viel besser zum Start sein wird, damit ist bei diesem kleinen Unternehmen nicht zu rechnen. Von möglichen lizenztechnischen Problemen, wie sie befürchtet werden, einmal ganz abgesehen.

Die ersten wirklich Chancen auf eine weite Verbreitung werden wohl erst die Tablets haben, die durchgehend auf ARM-Plattform setzen und mit einem Betriebssystem geliefert werden, das sich einfach und intuitiv mit dem Finger bedienen lässt. Android (offiziell lizenziert und mit Zugang zum Market Place) ist hier die große Hoffnung, doch erst mal muss es vernünftig auf den Smartphones laufen, für die es gemacht ist – hier wird folglich auch noch Zeit ins Land gehen bevor Ergebnisse zu erwarten sind. HP hat seit der Übernahme von Palm auch noch ein heißes Eisen im Feuer, vor dem nächsten Jahr ist mit einem Marktstart jedoch nicht zu rechnen, zumal auch hier noch viel Arbeit für die Anpassung notwendig sein wird.

Zu großes Augenmerk sollte man jedoch nicht auf das Vorbild aus Cupertino richten. Auch dort gibt es viele Definzite, wie die nicht durchgängige Nutzung der Gesten, ein unglaublich rudimentäres Benachrichtungssystem und Multitasking, das den Namen nicht verdient sowie fehlende Anschlüsse wie ein digitaler Videoausgang oder USB. Es gibt also noch viel Raum für Verbesserungen, die nächsten Jahre werden spannend.

Update 11.06.2010 15:38h

Wenn man sich diesen Bericht vom Linux Magazin über die Präsentation auf dem Linuxtag 2010 anguckt bestätigt das meine Meinung. Das WeTab ist folgerichtig ein Multitouch-Gerät, welches mit mausoptimierter Desktopsoftware (VLC, Thunderbird) ausgeliefert wird und das mit zwei Händen gehalten werden soll. Dabei kann auch noch gleichzeitig eine Maus und Tastatur angeschlossen werden. Ein SDK wird es zudem auch nicht geben, der Offenheit wegen. Wie man damit „computer-ferne Kundenkreise gewinnen“ möchte ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel.

Update 09.07.2010

Und auch ein weiterer Vertreter der Android-Tablets, das 1&1 Smartpad, fällt im ersten Praxistest von Chip.de gnadenlos durch (getestet wurde ein Vorserienmodell, welches über weite Teile jedoch schon der finalen Version entspricht).

image Immernoch gibt es einige Klagen über die glänzenden Displays und den fehlenden Firewire-Anschluss beim MacBook. Da überrascht ein Bericht von Ars Technica mit einem neuen Feature, welches Apple bisher verschwiegen hat.

Denn mit den neuen Geräten hat auch eine weitere Technologie Einzug gehalten in die Notebooks: HDCP (beziehungsweise DPCP, DisplayPort Content Protection). Das ist der Kopierschutz (ja, DRM!) der verhindern soll, dass das Bild- und Tonsignal bei der Wiedergabe von HD-Videos mitgeschnitten wird. So lassen sich geschützte Filme nur dann anzeigen, wenn alle beteiligten Komponenten (inklusive der Displays) HDCP unterstützen. Eine Wiedergabe eines BluRay-Films wird so über einen Beamer per VGA (mangels HDCP beim analogen Anschluss) unmöglich.

War dies bisher nur ein potentielles Problem von Windows-Nutzern, müssen sich jetzt auch Apple Kunden damit rumschlagen. Schlimmer noch: Einige Filme, die im iTunes Store gekauft wurden sind bereits so geschützt. Einen Hinweis, welche davon über den Kopierschutz verfügen und welche nicht, gibt Apple nicht. Hier heißt es also – mit allen damit verbunden Kosten – ausprobieren. Besonders ärgerlich, da auch ältere Filme bereits geschützt sind.

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Und das alles, nachdem Steve Jobs BluRay bei der Präsentation der neuen MacBooks – wohl auch wegen des Kopierschutzes – als “bag of hurt” bezeichnet hat. Recht hat er.

Dass dies (auch bei Apple-Kunden) nicht gut ankommt, zeigen die Reaktionen der Nutzer von wired.com:

Ronin: Still pissed about the lack of Firewire ports–now this??!!?
I can’t in good faith recommend any of the new macs to my audio/visual students! Should I tell them to go…PC?

Andrew: HDCP can kiss my hairy analogue hole.

david: Wow. They’re really doing everything in their power to make torrents more attractive than buying from the iTunes store.

Das traurige an dem Kopierschutz ist die Tatsache, dass die Leute, welche die Filme illegal besorgen, keine Probleme bei der Wiedergabe haben werden – egal auf welchem Gerät – und wieder einmal mehr nur die ehrlichen Käufer damit gequält werden.

Bild und Informationsquelle: Ars Technica

Über fscklog.com habe ich eben ein tolles Video gefunden. Es vergleicht die „unslow“-Werbung für das iPhone mit der Realität – der Unterschied ist extrem. Dass in Werbung viel und oft übertrieben wird ist ansich nichts neues, dennoch halte ich das, was das Video offen legt schon für bedenklich. Würde mich interessieren was passieren würde, wenn dies kein Spot für das iPhone sondern für ein Windows Mobile Gerät gewesen wäre. 😉

Apple wirbt ja bekanntlich sehr erfolgreich mit seiner „Hello, I’m a Mac“-Kampagne. Ein nach eigener Aussage frustrierter iPhone-Besitzer hat daraus eine Version mit dem iPhone 3G gemacht. Viel Spaß beim Schmunzeln:

Dass dieser Spot nicht ganz Unrecht hat beweist für mich auch die Tatsache, dass mein 2003er SonyEricsson P800 mehr kann als das erste iPhone konnte – inklusive Touchscreen, nur eben schon vor fünf Jahren.

image Als ich zum ersten Mal die Präsentation zu Mobile Me von Apple sah, muss ich zugeben dass ich von den Webanwendungen sehr beeindruckt war. Das Beste daran: Die Frontendtechnologie stellt bei Mobile Me das Framework SproutCore. Nach einigem Gekämpfe habe ich es inklusive Ruby auf meiner virtuellen Ubuntu-Installation zum laufen bekommen und gleich einmal das Tutorial durchgespielt. Das Arbeiten mit dem Framework macht durchaus Spaß.

Ich bin sehr zuversichtlich SproutCore bei meiner nächsten Intranetanwendung einmal richtig ausprobieren zu können – inklusive einem Ruby-Backend.

Wer Ruby bereits inklusive Gems installiert hat, kann an SC mit folgendem Befehl kommen:

sudo gem install sproutcore

Die komplette Installation ist auf der Dokumentationseite zu finden.

Wie ich heute sah, gibt es mittlerweile hier auch ein Tutorial für die etwas trickreichere Installation unter Ubuntu.

image Mittlerweile hat Apple mit Version 3.1 die erste finale Version von Safari für Windows veröffentlicht. In einem ersten kurzen Antesten funktioniert (fast) alles tadellos. Nur eins stört: Es gibt noch keine Plug-Ins für die Windows-Variante, die Werbung blockieren können (eben ein Ad Blocker).

Eine Alternative dazu ist eine CSS-Datei, mit der typische Werbefenster ausgeblendet werden. Steven Jay Cohen hat eine eigene Version erstellt, sein Stylesheet veröffentlicht er unter code.google.com/p/adsubtract. Versprochen werden monatliche Updates (allerdings ist die neuste Version vom November).

Die Installation ist denkbar einfach: Die neuste Version laden (momentan AdSubtract-11-2007.zip) und die enthaltenen CSS-Datei in einem beliebigen Verzeichnis entpacken (der Einfachheit halber nutze ich dazu Safari/Plugins).

In Safari in Bearbeiten > Einstellungen > Erweitert >Stylesheet die entpackte AdSubstract.css auswählen.

Fertig. Jetzt wird schon einmal ein großer Teil der Werbung blockiert.

Beim Stöbern im Spiegel Archiv bin ich auf einen Artikel aus dem Jahr 1991 gestoßen, der die Weitsichtigkeit von Apple beweist. Der damalige Apple-Präsident Michael Spindler sagte dort zum Spiegel im Zusammenhang mit der Entwicklung des PowerPCs:

SPINDLER: (…) Und das ist ja nur der Anfang. Danach werden wir einen ganz radikalen Schritt vollziehen, um ein paar Probleme zu lösen, die mit der heutigen Technik noch nicht zu schaffen sind.

SPIEGEL: Woran denken Sie dabei?

SPINDLER: Zum Beispiel an Computer, die man wirklich in die Tasche stecken kann und überall dabei hat. Ein Computer wird eines Tages Rechner, Datenbank, Notizbuch, Telefon und Fernsehen in einem sein – oder auch ein Stadtplan, mit dem ich in einer fremden Stadt herumlaufe; der sagt mir dann alles über Sehenswürdigkeiten oder die besten Restaurants.

SPIEGEL: Klingt reichlich utopisch.

Bis diese Realität wahr geworden ist verging also rund ein Jahrzehnt. Und was vor allem Erstaunlich daran ist: Diese Vorhersage, oder Vision, wurde genauso Realität.

Ein Stöbern in den ganzen alten Artikeln lohnt sich immer. Einfach einmal reinklicken und in dem gesammelten Wissen ab 1950 profitieren.